Donnerstag, 23. Juli 2009

Im Fluss, Teil II

Ich bin nie lang an einem Ort
bin heute da und morgen fort
bin wie ein Blatt, das im Flusse treibt
und Tag für Tag Geschichte schreibt

Die Länder ziehn an meinem Aug´ vorbei
bin Heimatlos, aber frei
auch nimmt mein Blick allmählich war
das ich morgen seh´ was heut´ geschah

Vergänglich ist die Gegenwart
was heute lebt, ist morgen alt
ich schreibe selbst an der Erinnerung
es liegt allein an meinem Tun

Unendlich sind die Möglichkeiten
mich aus mir selbst heraus zu entfalten
doch weder Angst noch andres Leid
wird Mittel sein, daß in mir schreibt

In mir lebt Gefühl, Gedanke
und kommt und geht, das weis ich heute
sind Teil im Flusse der Glückseligkeit
doch ihn zu sehen ist wohl noch weit

Regentage

Moin, moin,

heißt´s immer noch. Bin gestern in Zeven angekommen. War völlig erschöpft und gönn´ mir heute eine Ruhepause. Zum Glück sag´ ich nun, denn heute regnet´s Bindfäden.

Nachdem ich am Montag von der Nordsee Abschied genommen habe, hat sich etwas auf meiner Reise verändert. Außergewöhnliche Begegnungen und Erlebnisse haben nachgelassen und ich bin nun viel mit mir allein. An Tagen wie heute fällt es mir schwer. Eigentlich bin ich froh, mich nicht einfach vor den Fernseher niederlassen zu können um mich von ihm besudeln zu lassen. Es gibt halt keine Möglichkeiten, Ablenkung zu finden. Dennoch ist es zugegebener Weise nicht leicht und ich würde Lügen zu behaupten, nicht damit gerechnet zu haben...

Doch ich habe Hilfe dabei. Yongey Minguyr Rinpoche hat ein sehr gutes Buch geschrieben das ich wärmstens weiterempfehlen kann. Es trägt den Titel: Buddha und die Wissenschaft vom Glück.

Bevor ich gestern schlafen ging, las ich noch ein paar Seiten aus genanntem Buch. Heute morgen saß ich vor der Waschmaschine, wartete auf´s Ende des Schleudervorganges :-), schloss die Augen, meditierte in Gedanken an das gelesene und fühlte mich, ja, wie fühlte ich mich?, hm, ich fühlte mich ziemlich bald recht wohl.

Es ist nicht einfach, das zu beschreiben und ich werde jetzt auch niemandem den Gefallen tun, es zu versuchen. Denn ich würde doch nur die Worte des Minguyr Rinpoche widergeben.

Na ja, ist auch egal. Ich lerne halt grad´ was dazu. Und ganz tief in meinem Herzen beginne ich zu verstehen, warum mir diese Reise so wichtig ist.

"Denn das Leben ist ein Fluss der fließen muss". Aus Krieger von den Fanta 4.

Tschööö Euer Andi

Dienstag, 21. Juli 2009

Die ersten Tage

Moin Moin aus dem Norden!

Ich bin nun im Norden gelandet und sitze in einem Internetcafé in Oldenburg. Viel ist geschehen seit meinem letzten Eintrag.

Vorweg möchte ich sagen, das mir durchweg nur nette Menschen begegnet sind. Ein gutes Beispiel: Auf dem Weg zur Nordsee machte ich an einer Kreuzung halt um mich zu orientieren, etwas zu trinken und zu essen. Innerhalb von zehn Minuten wurde ich dreimal angesprochen, ob ich Hilfe benötige. Verwundert und mit großer Freude fuhr ich dann weiter.

Das beste aber war meine Rast in St. Joostergrooden. Auf der Suche nach einer Bleibe fand ich die Pension Friesenkate. Dort kümmert sich Stefanie Kaehler um das Wohl ihrer Gäste. Und wie...! Die Pension war bereits belegt, Stefanie aber bot mir ganz unvermittelt und spontan einen Platz in Ihrem Garten an wo ich auch zwei Tage nächtigen konnte. Und nicht nur das. Sie ist ein überaus herzlicher und vertrauenswürdiger Mensch, das ich es fast gar nicht in Wörter ausdrücken kann. Sie hat mir sehr viel Hilfe geboten und ich möchte mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bei Dir, Steffi, bedanken. Wer dort mal hin will, hier die Adresse:
www.friesenkate-friesland.de
Desweiteren sind mir folgende lustige Dinge aufgefallen und geschehen:
- 17.07.: Auf dem Weg von Ahmsen nach Spolz (Ostfriesland und sehr plattes Land) bin ich an
einigen "Bars" vorbeigefahren, die Namen wie z. B. "Bambi-Bar" trugen.
Auch mit der Verhütung nehmens die Ostfriesen ernst. Ettliche "Condomaten" standen
auf offener Straße mitten in den Dörfern
Die Jümmer bei Barßel, sie liegt noch tief im Innland, ist abhängig von Ebbe und Flut.
- 18.07.: Früh am Morgen in Spolz trinke ich einen Café. Eine 70-jährige Frau bietet mir einen
Stuhl an, den Sie mir dann, einem 34-jährigen Fahrradfahrer, aus Ihrem Wohnzimmer
holt :-)
Treffe Maria in St. Joostergrooden. Führten lange und tiefe Unterhaltung. DANK auch
an Dich, wir hören uns sicher!!!
- 20.07.: Die Autoverleihfirma Sixt hat mir ein Schadenformular geschickt. Allerdings wurde das
Fahrzeug nicht von mir beschädigt. In Wilhelmshaven fand ich zufällig eine Nieder-
lassung und konnte den Vorfall aufklären. Fehler von Seiten Sixt!
Tja, das Leben holt einen dann doch immer wieder ein. :-)
Wunderbaren Camingplatz an einem See gefunden. Saß auf dem Klo. Dummerweise
kam eine alte Dame ins Herrenklo und hat einfach das Licht ausgemacht. Ich saß dann
im dunkeln auf der Schüssel. Mein Rufen wurde brav ignoriert....
Ich bin nun insgesamt 499 Kilometer in der Zeit von 29:11 Std. gefahren und hab heute einfach mal Lust, alles ein wenig ruhiger anzugehen.
Werd mal versuchen, ob´s nun mit den Fotos klappt.
Ich wünsche euch alles erdenklich gute und die Kraft, eure Pläne zu verwirklichen. Bei mir ist auch so manches im Gange und werde sicher bald die Wörter finden, das zu beschreiben.
Bis dahin ganz liebe Grüße aus der Unabhängigkeit, Andi

Mittwoch, 15. Juli 2009

Ahoi zusammen!

Erst mal ein paar Fakten:
13.07.09: 79,20 km, Fahrzeit: 4:38:18 Std., Km/h im Durchschnitt 17,07
Sonsbeck - Marienbaum - Vynen - Wardt - Xanten - Perrich - Wesel - Hamminkeln - Dingden - Rhede
14.07.09: 84,97 km, Fahrzeit: 4:34:01 Std., Km/h im Durchschnitt: 18,40
Rhede - Borken - Südlohn - Stadtlohn - Ottenstein - Alstätte - Gronau - Gildehaus - Bad Bentheim
Gesamt: 164 km, Zeit: 9:17 Std.
Am Montag bin ich also losgefahren. Und ob ihr´s nun glaubt oder nicht, nach sage und schreibe zwei Kilometern hatte ich meinen ersten Plattfuß. Hab im Mantel eine Glasscherbe gefunden!
Danach lief alles glatt. Am Abend fand ich eine nette Familie, die mir ihren Garten zu Verfügung gestellt hat um dort mein Zelt aufzubauen. Es ist die Familie Ilting-Reuke, der ich grad nochmal einen herzlichen Gruß schicke und ein dickes Dankeschön. Cäser, euren Hund werd ich wohl auch nicht vergessen!
Cäsar ist ein sehr aufgeweckter, lebhafter und kluger Labradormischling. Er hat es gut verstanden mir ein paar Dinge wegzunehmen um sie dann ganz woanders wieder liegenzulassen.
Nach einer erholsamen Nacht und gutem Frühstück ging´s dann weiter. Hatte gestern wie auch schon am Montag ständigen Rückenwind! Doch leider schmerzt mein rechtes Knie. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, hier in Bad Bentheim bis morgen in einer Jugendherberge zu verweilen.
Einen öffentlichen Internetzugang gibt´s hier leider nur im Kurzentrum. Und während ich hier so sitze kam auch schon die eine und andere süße Ergotherapeutin vorbei. Ich könnte natürlich mal mein Knie untersuchen lassen....... :-)
So, Fotos gibt´s später, geht hier leider nich.
Allet jute, bis denne Andi

Mittwoch, 8. Juli 2009

Im Fluss

Da geh´ ich nun auf neuen Wegen
verlasse Wohnung, Bett, bequemes Leben
das was ich brauch´ ist eingepackt
in vier Taschen und ´nen großen Sack

Mobil bin ich auch, ´s ist ein Cabrio
auf zwei Rädern macht´s mich froh
mein Haus, das wiegt drei Kilogramm
doch Couch und Tisch sucht man wohl lang

Lang hab ich nicht das Meer gesehn
mein erster Weg, er führt dorthin
will dort die stete Brandung hörn
und den Wind an meinem Körper spürn

Das weite Land ist nun mein Garten
ich leb´ in den Naturgewalten
beständig wird der Wechsel sein
von Regen, Wind und Sonnenschein

Dann geht es weiter über flaches Land
verlass´ die Dünen und den weißen Sand
seh´ Blumen, Wiesen und des Bauers Felder
mein Weg führt nun in dichte Wälder

Schon als Kind war ich dort gern
unter grünem Haupt liegt Heimweh fern
mit Ehrgefühl seh´ ich die Bäume stehn
wie zeitlos Weise sie durchs Leben gehn

Sie suchen nicht nach einem Wandel
streben nicht nach Tausch und Handel
stehn ungebrochen, stumm und schweigen
sind ohne Kummer, sind ohne Leiden

Und ähnlich wie der Wald mir singt
hör´ ich das Lied, wie´s vom Gebirge klingt
stehn die Berge doch von Anbeginn
erlebten heitren und auch dumpfen Sinn

Vom Ausblick in der Höh´ beschwingt
seh´ ich Wasser, wie´s aus den Felsen dringt
Quell und Bach zum Flusse strebt
der leis und sacht zum Meere führt

Der Fluss kann mir so viel erzählen
denn ähnlich ist mein Seelenleben
und nun in neuen Lebensströmen
werd ich mich mit mir selbst
und der Welt versöhnen

Kleine Interviews vor der großen Reise



Freitag, 3. Juli 2009

Ich hab grad Rückenwind

Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich im Schatten eines Kaffeehauses in Kevelaer. Es ist das beste Sommerwetter. Ebenso wie gestern als ich Duisburg mit dem Ziel Sonsbeck auf dem Fahrrad verließ. Bin nun auch mit dem Bike unterwegs und mach´grad mal ´ne Pause.
Umzug und Renovierung sind erledigt. Ich kann mich nun langsam und allmählich auf meine Abreise am 13.07.09 vorbereiten. Für kurze Momente, aber stetig, erreicht mich im Innern ein so starkes Glücksgefühl, das ich schreien könnte. Diesem Drang konnte ich gestern einfach nicht widerstehen und hab´dann auf der Rheinbrücke zwischen Ruhrort und Rheinhausen mal kräftig einen rausgelassen. Es ist grad alles einfach nur supergeil. Dieses Hochgefühl ist unbeschreiblich. Und wenn ich mich auch oft dabei ertappe mir Fragen über meine Zukunft zu stellen so suche ich nicht krampfhaft nach Antworten. Ich bin mir sicher, die werde ich finden. Nein, viel wichtiger ist es doch, dies Neue anzunehmen, es zu verinnerlichen und nach außen zu tragen. Ich möchte Offenheit, Zuversicht, Vertrauen und Liebe nicht von Angst, Zweifel und Sorge überschattet wissen. Fast glaube ich, daß die Natur jedes einzelnen in ihrem Kern doch viel mehr ist als das, was von außen her sie prägt und gestaltet.
Jau, die Glocken läuten, es ist 18 Uhr. Auf mich warten noch ein paar Kilometer. Da fällt mir ein: Ein GROSSES DANKESCHÖN an all die fleißigen Helfer während meines Umzuges, oder besser gesagt, meines Auszuges.